Wie Space Force auf Netflix Donald Trump verhöhnt

Wie Space Force auf Netflix Donald Trump verhöhnt

4. Juni 2020 Aus Von Elisabeth Warren

Der Name Donald Trump fällt in der neuen Netflix-Serie Space Force nie. Und doch steckt die Weltraum-Satire mit Steve Carell voller Anspielungen auf den amtierenden US-Präsidenten. Erfahrt hier, wie Netflix den „Commander in Chief“ persifliert.

In der überaus amüsanten Weltraum- und Militär-Satire Space Force wird US-Präsident Donald Trump nie namentlich genannt. In der deutschen Synchronisation ist lediglich vom „Präsidenten“ die Rede, während im englischen Original der in den USA gebräuchliche Begriff „Potus“ (President of the United States) fällt.

Und doch ist Donald Trump, der die reale Space Force mit einer Unterschrift im Jahr 2019 ins Leben rief, eine konstante Präsenz im Hintergrund. Viele (negative) Eigenschaften, Angewohnheiten und Vorlieben des einstigen Reality-TV-Stars werden in Space Force thematisiert und der 45. US-Präsident wird so ordentlich durch den Kakao gezogen.

Steve Carell General Naird Space Force
Steve Carell als General Naird in Space Force | © Netflix/ Aaron Epstein

Wir haben für euch alle Donald Trump-Anspielungen aus dem Netflix-Hit Space Force zusammengestellt. Viel Vergnügen!

Schreibfehler auf Twitter

Gleich in der ersten Episode von Space Force wird ein wenig Spott über Donald Trump ausgegossen: John Blandsmith (Dan Bakkedahl), der fiktive Verteidigungsminister der Serie, erklärt Mark Naird (Steve Carell) und weiteren hochrangigen Generälen, dass der Präsident die „totale Weltraumdominanz“ möchte.

John Blandsmith Dan Bakkedahl Space Force Netflix
„Boobs on the moon in 2024.“ | © Screenshot Netflix

Twitter laufe (wie das gesamte Internet) über angreifbare Weltraumsatelliten. Hier wird Trumps bekannte Vorliebe für den Kurznachrichtendienst aufs Korn genommen.

Noch dazu hat sich in den Tweet des Potus ein Schreibfehler eingeschlichen, der allerdings in der deutschen Übersetzung verloren geht. Im englischen Original heißt es: „Boobs on the moon in 2024“, was so viel bedeutet wie Brüste auf dem Mond, wobei „Boots“ und „Boobs“ sich im Englischen lediglich durch einen Buchstaben unterscheiden – ein sexistischer Flüchtigkeitsfehler, der im Rahmen des Möglichen bei Trump zu liegen scheint.

„Zeigen Sie Bobby das Ding!“

Der russische Offizier Yuri ‚Bobby‘ Telatovich (Alex Sparrow) ist als Beobachter auf der Space Force-Basis. Von General Naird möchte er in Episode 1 technische Details über eine Treibstoffpumpe zu sehen bekommen.

Als der General diese Weitergabe sensibler Militär- und Raketen-Technologie ablehnt, entgegnet Yuri, dass General Naird „übers sichere Handy“ eine Nachricht des US-Präsidenten erhalten werde, den Russen doch die technischen Baupläne zu zeigen.

Space Force Netflix
„Zeigen Sie Bobby das Ding. Präsident.“ © Screenshot Netflix

Hat Russland Donald Trump im Wahlkampf (oder auch später) unterstützt? Haben russische Social-Media-Profis etwa Propaganda für ihn betrieben und Fake News gestreut? Ist Donald Trump ein Präsident von Putins Gnaden?

In dieser lustigen Szene von Space Force wird auf all das angespielt. Trump kommt hier als russische Marionette herüber, dem Putins Schergen sogar die Inhalte seiner Nachrichten diktieren. Hoffen wir, dass dies so nicht ganz der Realität entspricht!

Amoklauf im Weltall

In Episode 2 von Space Force soll der beschädigte Satellit Epsilon 6 gerettet werden. Ein anderes US-Raumschiff enthält – neben einem Affen und einem toten Hund – Sturmfeuergewehre.

Auf Anordnung des Präsidenten soll diese absurde Mission beweisen, dass die tödlichen Waffen auch im Weltall funktionieren, damit die Manchester Arms Company ihr Gewehr als offizielle Waffe der Space Force bewerben kann.

Don Lake Brad Gregory Space Force
„Oder für die Jagd.“ | © Screenshot Netflix

Dr. Mallory (John Malkovich) spöttelt noch, dass damit bewiesen wäre, dass das Sturmgewehr „für Massenschießereien auf dem Mond geeignet“ sei, woraufhin der oben abgebildete General Gregory (Don Lake) entgegnet: „Oder für die Jagd.“

In den USA wird quasi nach jedem Amoklauf und jeder Massenschießerei diskutiert, ob die darin oft genutzten Sturmgewehre verboten werden sollten. Schließlich handelt es sich hierbei um militärische Waffen mit höchster Zerstörungsgewalt. Gegner dieses Verbots wie die NRA führen dann oft an, dass diese Gewehre auch zur Jagd benutzt werden würden. Und US-Präsident Donald Trump steht der Waffenlobby und Waffenindustrie politisch nahe.

Flotus im Design-Fieber

Als ehemaliges Model liebt Melania Trump, die First Lady der USA und Ehefrau von Donald, selbstverständlich Fashion. In Episode 4 entwirft die hier lediglich Flotus (First Lady of the United States) genannte Präsidentengattin kurzentschlossen neue Uniformen für die Space Force.

Tawny Newsome Captain Angela Ali Space Force
Flotus‘ amüsanter Design-Entwurf in Space Force | © Screenshot Netflix

Die extravaganten Kostüme könnten jedoch eher von Modedesigner Jean Paul Gaultier stammen, der sogar erklärte, dass er Melania als First Lady gerne einkleiden würde, während andere Modedesigner aus politischen Gründen Abstand vom ehemaligen Model nahmen.

„Sex ist für SIEGER.“

In Episode 6 von Space Force vermuten Naird und Co., dass sich ein indischer Spion auf der Militärbasis befindet. Denn die Inder nutzen an ihren Raketen seit Neuestem ein „Pegasus-Finnensystem“, das ursprünglich von den Amerikanern entwickelt wurde.

Space Force Netflix
„Sex ist für SIEGER“. | © Screenshot Netflix

Später in der Folge will General Naird dann seine inhaftierte Ehefrau Maggie (Lisa Kudrow) im Gefängnis besuchen – für einen sogenannten „ehelichen Besuch“, worunter man im Gefängnissystem der USA versteht, dass Ehepaare ungestörte Stunden der Zweisamkeit miteinander verbringen können.

Zur großen Frustration von Steve Carells General Naird wird der geplante Besuch im letzten Moment allerdings abgeblasen. Und zwar von höchster Stelle: Potus selbst textet obige Nachricht an Naird, in der die von Donald Trump oft in seinen Tweets genutzen „Caps“ (Großbuchstaben) prominent zum Einsatz kommen – eine weitere lustige Anspielung auf Trump.

„Wir benennen einen Stern nach ihm.“

Ebenfalls in Episode 6 von Space Force haben „Fuck Tony“ (Ben Schwartz), der Social Media Manager der Space Force, sowie Wissenschaftler Dr. Chan (Jimmy O. Yang) die Idee, einen Stern nach dem US-Präsidenten zu benennen. Und nicht irgendeinen: Ein mächtiger Gasriese soll als Geburtstagsgeschenk Potus beglücken.

Ben Schwartz F. Tony Scarapiducci Fuck Tony Space Force Jimmy O. Yang Dr. Chan Kaifang
„Der hellste Stern der Galaxie.“ | © Screenshot Netflix

Der (fiktive) Präsident ist begeistert von der Charme-Offensive seiner Untergebenen und twittert, dass „der hellste Stern der Galaxie“ nun „unumkehrbar“ seinen Namen tragen würde.

Hier wird auf etliche (negative) Eigenschaften Trumps angespielt, etwa auf seine Gigantomanie, Selbstverliebtheit und auch auf Trumps Narzissmus. Schmeicheln und Einschleimen sind beim gegenwärtigen US-Präsidenten stets probate Mittel!

Eine angemessene Antwort

Im großen Finale von Space Force kommt es zur Eskalation: Die Chinesen haben bereits eine Mondbasis und sind mit ihrem Mond-Buggy sogar noch über eine geheiligte amerikanische Flagge gefahren. Das wollen der Verteididungsminister und die Generäle den Chinesen nicht durchgehen lassen.

Steve Carell General Naird Space Force
General Naird leidet in Space Force unter seinem launischen „Commander in Chief“ | © Netflix/ Aaron Epstein

Steve Carells General Naird sucht als Antwort nach einer „angemessenen Reaktion“, woraufhin Verteidigungsminister und Potus-Loyalist Blandsmith entgegnet: „Angemessenheit befriedigt den Präsidenten kaum.“

Hier wird selbstverständlich auf eine der schlimmsten Eigenschaften des US-Präsidenten angespielt: Donald Trump zeigt im Grunde nie eine angemessene Reaktion, sondern ist vielmehr dafür bekannt, mit Superlativen, Übertreibungen, Beleidigungen und Provokationen stets weit übers Ziel hinaus zu schießen. Dies machen etwa Trumps Äußerungen zu den Protesten im Anschluss an die Ermordung George Floyds einmal mehr überdeutlich.