Netflix-Doku-Tipp: Heroin(e)

Netflix-Doku-Tipp: Heroin(e)

17. März 2020 Aus Von Robert Laubenthal

Was macht mehr Spaß, als sich gemütlich zuhause einen spannenden Dokumentarfilm anzuschauen? Gerade auf dem Streaming-Dienst Netflix ist das Doku-Angebot geradezu unüberschaubar groß. Wir stellen dir die spannendsten und informativsten Netflix-Dokumentarfilme und -serien vor. Viel Spaß damit!

Darum geht es im Netflix-Dokumentarfilm Heroin(e)

Der 39-minütige, Oscar-nominierte Kurz-Dokumentarfilm Heroin(e) handelt von der Opioidkrise in den USA und deren Auswirkungen auf die kleine Stadt Huntington in West Virginia. Eine Ersthelferin, eine Richterin und eine Frau, die einfach helfen will, werden von den Filmemachern begleitet und Heroin(e) ist definitiv nichts für schwache Nerven!

Heroin(e): Die Kritik zum Netflix-Dokumentarfilm

In den vergangenen Jahren wurden die Vereinigten Staaten von der sogenannten Opioidkrise gebeutelt: Ärzte verschreiben ihren Patienten legale Schmerzmittel wie Oxycontin, die in Wahrheit Opioide sind und stark abhängig machen. Wenn die süchtig gewordenen Patienten auf legalem Weg keinen Nachschub mehr erhalten, besorgen sie sich auf der Straße Heroin. Prostitution und Kriminalität sind für viele die Folge.

Die 360.000 Einwohner-Stadt Huntington in West Virginia leidet besonders unter diesem Skandal: In Huntington versterben zehn Mal mehr Menschen an einer Überdosis als im Landesdurchschnitt. Die Einwohner resignieren. Doch Feuerwehrchefin Jan Rader gibt nicht auf: Im so schockierenden wie informativen Dokumentarfilm Heroin(e) eilt sie von einem Überdosis-Patienten zum nächsten.

Jan Rader Heroin(e) Netflix
Ersthelferin Jan Rader | © Netflix

Trifft Rader bei den bedauernswerten, unter Atemstillstand leidenden Opfern ein, verabreicht sie das Gegenmittel Naloxon. Oft, aber nicht immer, kommen diese dann wieder zu sich und beklagen, dass die Drogenwirkung verflogen ist!

Es sind gerade diese Szenen, die Heroin(e) so fesselnd machen. Eine Überdosis ist in Huntington ein alltäglicher Vorfall. Einmal werden die „First Responder“ in einen Supermarkt gerufen, und während sie vor der Kasse einer am Boden liegenden Frau Erste Hilfe leisten, geht dahinter der reguläre Geschäftsbetrieb einfach weiter.

Ein eindrückliches Plädoyer für Menschlichkeit im Angesicht der Katastrophe

Bei aller Heftigkeit der Thematik ist Heroin(e) dabei jedoch nie sensationalistisch: Werden etwa Überdosis-Opfer behandelt, so sind von ihnen keine Gesichter zu sehen. Filmemacherin Elaine McMillion Sheldon konzentriert sich in ihrem Dokumentarfilm eher auf die Helfer: Auch sie tragen vom jahrelangen, aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die potenten Drogen schwere psychische Schäden davon.

Teile der Bevölkerung scheinen derweil in Huntington schon komplett aufgegeben zu haben. So wird Feuerwehrchefin Jan Rader einmal in einer Stadtversammlung allen Ernstes gefragt, ob es nicht besser wäre, Sanitäter nicht mit dem lebensrettenden Mittel Naloxon auszustatten, weil die Junkies so eher eine Überdosis riskieren würden. Rader hält vehement dagegen und möchte ihre suchtkranken Mitbürger nicht aufgeben. Ein eindrückliches Plädoyer für Menschlichkeit innerhalb einer der schlimmsten und vermeidbarsten Katastrophen der USA.